Lymphgefäße / Lymphgefäßerkrankungen

Die Behandlung von Lymphgefäßerkrankungen stellt einen Schwerpunkt unserer Praxistätigkeit dar. Eine gut abgestimmte Zusammenarbeit mit lymphologisch tätigen Physiotherapeuten und Kompressionsversorgern (siehe: Lymphnetz Baden-Württemberg), interventionell und operativ tätigen Kollegen (Gefäßchirurgie, Liposuktion) und mit stationären Einrichtungen garantiert den bestmöglichen Behandlungserfolg.

 

  1. Lipödem

Schwellung im Fettgewebe

Lipödem

Dicke Oberschenkel, aber schlanke Fesseln, und weder Sport noch Diät helfen – das können die Anzeichen für ein Lipödem sein. Beim Lipödem sind die Fettzellen in bestimmten Regionen verändert, im Fettgewebe staut sich Flüssigkeit, es schwillt an, jeder Druck auf das Ödem tut weh. Lipödeme bekommen fast nur Frauen, die Beine sind häufiger betroffen als die Arme.

Was bedeutet Lip…?

Die Silbe „Lip“ oder „Lipo“ bedeutet im medizinischen Bereich immer Fett. Fett ist lebenswichtig, aber zu viel Fett ist ebenso ungesund wie zu wenig Fett. Für Notzeiten und große Belastungen braucht der Körper Energiereserven, diese werden im Fettgewebe gespeichert. Zudem hat das Fettgewebe noch andere Aufgaben, z.B. für die Hormonproduktion.

Das Fettgewebe bildet die unterste Schicht der Haut. Es besteht ganz wesentlich aus Fettzellen. Deren herausragende Eigenschaft ist, dass sie sich stark vergrößern und wieder verkleinern können, je nach Nahrungsangebot.

Frauen sind weit üppiger mit Fettdepot-Möglichkeiten ausgestattet als Männer. Aus Sicht der „Arterhaltung“ ist das auch sinnvoll, denn um Kinder zu bekommen, müssen sie ausreichend „gepolstert“ sein für neun Monate Schwangerschaft und das Stillen der Kinder.

Beim Lipödem schwellen diese Fettdepots übermäßig an, aber nicht, weil die Patientin zu viel isst und sich deshalb die Fettzellen vergrößern, sondern weil das Fettgewebe krankhaft verändert ist. Wie genau diese Veränderungen entstehen und aussehen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Sicher scheint, dass die Fettzellen verändert sind und sich in den Räumen zwischen den Zellen Flüssigkeit staut. Das darf normalerweise nicht sein, denn das Fettgewebe verfügt nicht über Lymphgefäße, welche die Flüssigkeit wieder abtransportieren könnten. Da fast nur Frauen und die typisch weiblichen Reserveregionen von Lipödemen betroffen sind, wird ein Zusammenhang mit dem Hormon Östrogen vermutet.

Wie erkennt man ein Lipödem?

Viele Lipödeme werden nicht erkannt und deshalb falsch oder gar nicht behandelt. Typisch für Lipödeme ist:

  • Fast nur Frauen sind betroffen.
  • Die Körperhälften sind gleich dick (symmetrisch).
  • Die Haut „spannt“, Druck auf das Lipödem tut weh, hinterlässt aber keine Dellen. Das Lipödem wird auch Lipohypertrophia dolorosa (schmerzhafte Fettvermehrung) bezeichnet.
  • Oberschenkel und Po sind am häufigsten betroffen, als erstes zeigen sich „Reiterhosen“. Typisch sind feste Polster innen an den Oberschenkeln oder Beine, die wie gerade Säulen bis zu den Fesseln gehen. Lipödeme an den Armen sind anfangs seltener, sie kommen eher im Lauf der Erkrankung hinzu.
  • Die Fettansammlung ist unproportional, z.B. haben manche Patientinnen bei Hosen zwei bis drei Kleidergrößen mehr als bei Blusen oder trotz dicker Beine sind ihre Fesseln und Füße schlank.
  • Viele Betroffene bekommen Blutergüsse schon bei leichtem Anstoßen.
  • Im Verlauf der Erkrankung kommt eine Cellulite („Orangenhaut“) hinzu.
  • Häufig treten feine Krampfadern („Besenreiser“) auf.

Womit kann man ein Lipödem verwechseln?

Für einen Arzt mit lymphologischem Fachwissen ist es kein Problem, ein Lipödem richtig zu erkennen. Wenn Sie möglicherweise betroffen sind, kommen Sie zu einer Untersuchung in unsere Praxis, denn: Dick ist nicht gleich dick.

Dazu kommt, dass Lipödeme sowohl die Folge einer anderen Fettverteilungsstörung sein können als auch andere Erkrankungen wie Adipositas oder Lymphödeme nach sich ziehen können. Manche Lipödem-Krankengeschichte lässt sich bis in die Pubertät zurückverfolgen, schon auf Fotos aus schlanken Zeiten lassen sich die Verdickungen ausmachen.

Von folgenden anderen Erkrankungen und Fettverteilungsstörungen muss ein Lipödem unbedingt abgegrenzt werden:

Lymphödem

Ein Lymphödem ist ein Stau von Lymphflüssigkeit im Lymphsystem. Es kann auch Hände oder Füße betreffen und kann auch einseitig auftreten.

Lipolymphödem

Ein Lipolymphödem entsteht, wenn zu viel Fettgewebe auf das Lymphsystem drückt. Der Abtransport der Lymphe wird erschwert, die Lymphe staut sich, ein Lymphödem entsteht. Ein Lipolymphödem entsteht nicht selten, wenn ein Lipödem lange unbehandelt bleibt.

Lipom

Ein Lipom ist eine Fettgewebsvermehrung an einer Stelle des Körpers, Lipome können auch an mehreren Stellen auftreten (multiple Lipome). Sie sind meist rundlich und weich und schmerzen nicht. Lipome sind in der Regel gutartig und müssen nur entfernt werden, wenn sie optisch stark stören, schmerzen, oder die Beweglichkeit einschränken. Wer Lipome entfernen lässt, sollte sich an einen erfahrenen Operateur wenden: Dann bleiben nur sehr kleine Operationsnarben zurück.

Adipositas

Adipositas ist starkes Übergewicht. Es kann den ganzen Körper betreffen, beginnt aber oft rund um den Rumpf. Das Fettgewebe ist weich und tut auf Druck nicht weh. Adipositas kann durch mehr Bewegung und weniger Essen reduziert werden.

Schwierig für die Diagnose eines Lipödems ist, dass viele Patientinnen ihre Figur schon „aufgegeben“ haben und deshalb zusätzlich adipös wurden: Wenn Diät und Sport immer erfolglos gegen die „Problemzonen“ waren, warum sollten sie sich dann noch bemühen?

Beim Vorliegen einer Adipositas zusätzlich zu einem Lipödem sollten Betroffene unbedingt abnehmen, da Adipositas die Lipödem-Folgen noch verschlimmert.

Außerdem besteht bei Adipositas, besonders bei einer großen „Fettschürze“ an Bauch und Hüften, die Gefahr, dass zusätzlich Lymphödeme und Venenprobleme in den Beinen hinzukommen.

Symmetrische Lipomatose

Die symmetrische Lipomatose betrifft Hals, Schultern, Oberarme und Brust. Diese Fettansammlung kann nicht durch Diät und Bewegung reduziert werden.

Extremitäten-Lipohypertrophie

Diese Lipohypertrophie ist eine starke Fettgewebsvermehrung an Beinen und Armen. Wie das Lipödem tritt auch die Hypertrophie (= Vergrößerung, Vermehrung) fast nur bei Frauen auf und betrifft ebenfalls überwiegend Oberschenkel und Oberarme. Hypertrophie und Ödem können deshalb verwechselt werden, doch verursacht die Lipohypertrophie nicht den für das Lipödem typischen Druckschmerz. Teilweise entwickelt sich aus einer Lipohypertrophie im Lauf der Zeit ein Lipödem, insbesondere, wenn nichts gegen die Hypertrophie unternommen wird.

Eine Lipohypertrophie kann weder durch Diät und Bewegung reduziert werden noch durch Lymphdrainage und Kompressionsstrümpfe. Wenn Sie betroffen sind, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass nicht zusätzlich Übergewicht hinzukommt. Eine spezielle Liposuktion (Fettabsaugung) mit Rücksicht auf das Lymphsystem kann helfen.

Wie wird ein Lipödem behandelt?

Lipödeme sind nicht heilbar. Dennoch müssen Lipödeme unbedingt behandelt werden und die Probleme lassen sich meist deutlich reduzieren. Lipödeme sind eine Erkrankung, nicht einfach nur eine „ausgeprägte“ oder „unvorteilhafte“ Figur, die man eben hinzunehmen hat.

Wenn ein Lipödem nicht behandelt wird, verändert sich das Fettgewebe immer mehr, wird immer voluminöser und Folgeerkrankungen kommen hinzu. Die Behandlung reduziert Gewebeverdickungen und schädliche Folgen und verhindert eine Verschlimmerung.

Grundsätzlich ist wichtig, dass vor Behandlungsbeginn eine ganzheitliche Diagnose vorliegt, denn ein Lipödem darf nie isoliert betrachtet werden. Ist z.B. das Lipödem mit starkem Übergewicht kombiniert, muss auch dagegen etwas unternommen werden. Ist das Herz überlastet, muss die Herzleistung stabilisiert werden, sonst könnte der Organismus durch die Folgen des Lipödem-Abbaus überlastet werden.

Nachfolgend die wichtigsten Behandlungsansätze bei Lipödemen:

Die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) wird in Zusammenhang mit Lipödemen auch als „konservative“ Therapie bezeichnet, im Gegensatz zur „operativen“ Therapie, der Liposuktion. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass nach einer Liposuktion immer eine KPE durchgeführt werden muss, denn ein Lipödem ist nicht heilbar.

KPE: Komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) entfernt bei einem Lipödem Lymphflüssigkeit aus dem Fettgewebe. Das „K“ im Namen steht für „Komplex“ und zeigt an, dass die Therapie aus mehreren Bausteinen besteht.

Wichtig ist: Die KPE muss mit allen ihren Teilen konsequent und langfristig umgesetzt werden. Dann haben Patienten beste Chancen, beschwerdefrei zu werden. Wenn ein Teil vernachlässigt wird, verlieren auch alle anderen Teile erheblich an Wirkung.

Die KPE besteht aus zwei Phasen:

  • Initialphase (Anschubphase, Entstauungsphase): In der Regel in einer Klink, drei Wochen lang, bei Bedarf jährlich wiederholt
  • Erhaltungsphase: laufend

Die KPE hat vier Bausteine:

MLD: Manuelle Lymphdrainage

Die MLD ist eine spezielle Massageart, welche das Lymphsystem stimuliert, mehr Lymphe abzutransportieren. Damit entsteht eine Art Sog, der dafür sorgt, dass Lymphflüssigkeit aus dem Fettgewebe verschwindet: Der Druck reduziert sich, das Gewebe ist weniger prall und die Druckempfindlichkeit des Lipödems lässt nach. Ausgeführt wird die MLD von speziell ausgebildeten Masseuren oder Krankengymnasten (Physiotherapeuten). Sie arbeiten schonend mit kreisenden Bewegungen und bestimmten Handgriffen. Besonders kräftige MLD-Griffe dürfen sie bei einem Lipödem allerdings nicht durchführen, da sonst Blutergüsse entstehen.

Kompression

Zur Kompression (= Druck) gehören zwei Bereiche: der lymphologische Kompressionsverband, auch Kompressionsbandage genannt, und Kompressionsstrümpfe. Die Kompression dient dazu, die Erfolge der MLD (Manuellen Lymphdrainage) zu erhalten, also einen Rückfluss der Lymphe ins Fettgewebe zu verhindern.

Lymphologischer Kompressionsverband

Ein lymphologischer Kompressionsverband übt genau dosierten Druck auf die Muskeln aus und unterstützt bei Bewegung den Abtransport der Lymphe. Kompressionsverbände werden besonders intensiv in Phase 1 eingesetzt, beim Lipödem allerdings erst nach einigen Tagen, wenn der größte Druck im Fettgewebe gelöst werden konnte und die schmerzhafte Druckempfindlichkeit nachlässt.

MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf

Wenn die akute Schwellung zurückgegangen ist, wird ein MKS (Medizinischer Kompressionsstrumpf) für Beine, Po/Hüften und gegebenenfalls die Arme verordnet. Als Patient brauchen Sie zwei Sätze, damit Sie wechseln können. Spätestens alle sechs Monate sollten Sie neue Strümpfe bekommen, damit die Strümpfe genau passen und nicht ausleiern. Wirkungsvolle Kompressionsstrümpfe müssen möglichst eng anliegen und zusammendrücken wie eine zweite Haut.

Bewegungsübungen

Spezielle Gymnastik und Bewegung beim gleichzeitigen Tragen der maßangefertigten Kompressionsstrümpfe fördert den Abtransport der Lymphe und reduziert das Lipödem. Günstig sind „ruhige“ Sportarten wie Spazierengehen, Wandern (nicht Bergsteigen), Radfahren, Schwimmen. Ruckartige Bewegungen, Verletzungsrisiken und Überanstrengung sollten Sie meiden.

In Ruhe sollten Sie, soweit es möglich ist, den Körperteil mit dem Lipödem hochlagern.

Hautpflege und -schutz

Wenn Sie ein Lipödem haben, ist es ganz wichtig, dass Sie täglich Ihre Haut begutachten und sorgfältig pflegen. Schon kleine Risse oder Verletzungen bergen ein großes Infektionsrisiko, weil die Heilung infolge des gestörten Lymphabflusses sehr langwierig sein kann, Infektionen sich dagegen leicht ausbreiten. Schützen Sie deshalb bei allen Aktivitäten Ihre Haut, z.B. auch mit Handschuhen bei allen Haus-, Garten- und Handwerksarbeiten.

Benutzen Sie möglichst keine parfümierten Wasch- und Pflegeprodukte, weil diese die Haut reizen können. Bevorzugen Sie ph-neutrale Produkte. Wenn Sie Kompressionsbandagen oder -strümpfe tragen, ist die Feuchtigkeitspflege für die Haut wichtig.

Liposuktion (Fettabsaugung)

Eine Liposuktion (Fettabsaugung) kann die extrem verdickten Fettgewebeschicht eines Lipödems reduzieren. Zwei Dinge müssen hier aber grundsätzlich beachtet werden:

1. Die Liposuktion sollte nur von einem lymphologisch fortgebildeten und erfahrenen Mediziner durchgeführt werden, der schonende Methoden einsetzt, denn das ohnehin überlastete Lymphsystem darf auf keinen Fall verletzt werden.

Scheuen Sie sich als Patient nicht, den Mediziner nach seiner nachweisbaren lymphologischen Fachkompetenz zu fragen. Adressen von Ärzten, die sowohl Erfahrung in Liposuktion haben als auch lymphologisch qualifiziert sind, können Sie bei von Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten erfragen.

2. Ein Lipödem ist grundsätzlich nicht heilbar. Die Krankheit ist begründet in einer krankhaften Veränderung der Fettzellen beziehungsweise des Fettgewebes und diese Veränderung lässt sich nicht wegsaugen. Seien Sie skeptisch bei Aussagen wie: „Lipödeme sind heilbar.“

Was eine professionelle, schonende Liposuktion bei Lipödem aber bringen kann, ist eine Reduzierung der störenden Fettpolster: Das erkrankte Fettgewebe wird reduziert, der Druck lässt nach und die Beweglichkeit nimmt zu, Letzteres besonders, wenn Fett an den Innenseiten der Oberschenkel abgesaugt wird. Sofort nach einer Fettabsaugung muss die oben beschriebene KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) konsequent durchgeführt werden, um den Erfolg der Liposuktion zu erhalten.

Die Kosten für eine Liposuktion tragen meist die Patienten. Nur in absoluten Ausnahmefällen bei schweren körperlichen Behinderungen zahlt die Krankenkasse.

Wie wird eine Liposuktion durchgeführt?

Grundsätzlich geht es bei einer Fettabsaugung darum, Fettzellen aus dem Fettgewebe zu entfernen. Entfernte Fettzellen können nur in sehr geringem Umfang wieder „nachwachsen“.

In Fachkreisen anerkannt ist heute die schonende Liposuktion mit Tumeszenz-Lokalanästhesie. Für die Behandlung wird in das betroffene Fettgewebe die Tumeszenz-Flüssigkeit gespritzt: Sie enthält ein lokales Betäubungsmittel und Substanzen, welche die Fettzellen aus dem Gewebe lösen. Nach einer Einwirkzeit werden Tumeszenzflüssigkeit und Fettzellen vorsichtig mit einer Kanüle aus dem Gewebe abgesaugt. Zum Einsatz kommen hier spezielle Vibrationskanülen, die sich fein vibrierend an den Gewebestrukturen vorbeidrängen ohne sie zu verletzen.

  1. Lymphödem

Stau der Lymphe im Gewebe

Lymphödem

Ein Lym­phö­dem ist eine Er­kran­kung des Lym­ph­sys­tems. Die Lym­ph­flüs­sig­keit wird nicht rich­tig ab­trans­por­tiert, sie staut sich im Ge­we­be, Beine und/oder Arme wer­den dick (ge­schwol­len).

Was ist das Lymphsystem?

Das Lym­ph­sys­tem wird auch Lymph­ge­fäß­sys­tem oder lym­pha­ti­sches Sys­tem ge­nannt. Es ist für den Kör­per ge­nau­so wich­tig wie das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem, ist aber im All­ge­mei­nen weit we­ni­ger be­wusst und be­kannt. Das Lym­ph­sys­tem ist haupt­säch­lich für den Ab­trans­port von Flüs­sig­keit, Ei­weiß und Stoff­wech­sel­res­ten aus dem Ge­we­be ver­ant­wort­lich. Wenn es nicht rich­tig funk­tio­niert, kommt es zu dem, was land­läu­fig als „Was­ser“ im Ge­we­be be­zeich­net wird. Das Ge­we­be füllt sich, wird dick, sieht aus wie ge­schwol­len: ein Lym­phö­dem.

Das Lym­ph­sys­tem ver­läuft ähn­lich wie das Ve­nen­sys­tem von den äu­ßers­ten Enden des Kör­pers Rich­tung Herz. In der Nähe des Her­zens mün­det es in das Ve­nen­sys­tem.

Lymphe

Die Lym­phe (Lym­ph­flüs­sig­keit) ist eine hell­gel­be Flüs­sig­keit, die Ei­wei­ße, Fette, Was­ser und Im­mun­zel­len trans­por­tiert. Der Name kommt aus dem La­tei­ni­schen: lym­pha be­deu­tet kla­res Was­ser, Quell­was­ser.

Lymphknoten

Lymph­kno­ten lie­gen an stra­te­gi­schen Stel­len im Lym­ph­sys­tem, in der Regel dort, wo meh­re­re Lymph­ge­fä­ße zu­sam­men­kom­men. In den Lymph­kno­ten wer­den Bak­te­ri­en und an­de­re Krank­heits­er­re­ger er­kannt und die not­wen­di­gen An­ti­kör­per pro­du­ziert.

Das Lym­ph­sys­tem hat also zen­tra­le Ab­wehr- und Rei­ni­gungs­funk­tio­nen für den Kör­per.

Welche Arten von Lymphödemen gibt es?

  • Lymphödeme werden nach ihrer Entstehung unterschieden.
  • Das primäre Lymphödem ist die seltenere Form. Verantwortlich für den Lymphstau sind angeborene Fehlbildungen oder Funktionsstörungen des Lymphsystems.
  • Das sekundäre Lymphödem entsteht als Folge von Operationen, Bestrahlungen, Krankheiten, Verletzungen oder Infektionen.
  • Das Lipolymphödem entsteht, wenn zu viel Fett aufs Lymphsystem drückt.
  • Das Phleb-Lymphödem ist die Folge von Venenerkrankungen.

Primäres Lymphödem

Das pri­mä­re Lym­phö­dem ist die sel­te­ne­re Form. Hier sind Teile der Lym­ph­bah­nen oder Lymph­kno­ten von Ge­burt an nicht, nicht ganz, oder feh­ler­haft ent­wi­ckelt. Das kann Teile von Armen oder Bei­nen, die gan­zen Arme oder Beine oder auch zen­tra­le Kör­per­re­gio­nen be­tref­fen. Am häu­figs­ten be­trof­fen sind die Beine. Die ty­pi­schen Schwel­lun­gen tre­ten oft erst spä­ter im Leben auf.

Sekundäres Lymphödem

Das se­kun­dä­re Lym­phö­dem hat immer eine vor­aus­ge­hen­de Ur­sa­che, z.B.:

  • Eine Verletzung, die Lymphbahnen oder Lymphknoten geschädigt hat.
  • Eine Störung/Blockierung des Lymphflusses durch einen Tumor.
  • Eine Operation, bei der Lymphknoten entfernt wurden. Z.B. werden bei Brustkrebsoperationen nicht selten die Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt.
  • Operations- und Bestrahlungsfolgen, z.B. Narben.
  • Eine Entzündung infolge von Viren, Bakterien, Pilzen etc., auch rheumatische Entzündungen können die Ursache sein.
  • Krankheiten wie chronisch venöse Insuffizienz (CVI) oder Diabetes.

Lipolymphödem (auch: Lip-Lymphödem)

„Lipo“ steht in der me­di­zi­ni­schen Spra­che immer für „Fett“. Ein Li­polym­phö­dem ent­steht, wenn bei stark über­ge­wich­ti­gen Men­schen das Fett­ge­we­be so stark auf die Lym­ph­bah­nen drückt, dass die Lym­phe nicht mehr ab­flie­ßen kann. Bei der The­ra­pie ist des­halb eine Ge­wichts­ab­nah­me wich­tig – falls dies mög­lich ist.

Der Lym­phs­tau beim Li­polym­phö­dem kann auch da­durch aus­ge­löst wer­den, dass das ge­schwol­le­ne Fett­ge­we­be eines Lipö­dems auf das Lym­ph­sys­tem drückt. Ab­neh­men ist dann nur ein­ge­schränkt mög­lich.

Mehr zum Lipö­dem

Phleb-Lymphödem

Die Silbe „Phleb“ steht für alles, was mit den Venen zu tun hat, des­halb wird hier auch vom Ve­nen-Lym­phö­dem ge­spro­chen. Ve­nen- und Lym­ph­sys­tem hän­gen eng mit­ein­an­der zu­sam­men und be­ein­flus­sen sich wech­sel­sei­tig. Wenn das Ve­nen­sys­tem ge­stört ist, z.B. durch Ent­zün­dung, Throm­bo­se oder star­ke Krampf­adern, kann in der Folge auch ein Lym­phö­dem ent­ste­hen.

Komplikationen, z.B. Erysipel

„Kom­pli­ka­ti­on“ im me­di­zi­ni­schen Zu­sam­men­hang be­deu­tet, dass zur ei­gent­li­chen Er­kran­kung ein zu­sätz­li­ches Pro­blem hin­zu­kommt. Wenn Sie ein Lym­phö­dem haben und Ver­än­de­run­gen be­mer­ken, z.B. Ver­här­tun­gen oder Rö­tun­gen, soll­ten Sie immer so­fort einen Arzt auf­su­chen.

Die häu­figs­te Kom­pli­ka­ti­on bei Lym­phö­de­men ist das Ery­si­pel, zu deutsch: Wund­ro­se. Die Wund­ro­se ist eine Haut­ent­zün­dung, die durch Bak­te­ri­en (Strep­to­kok­ken) ver­ur­sacht wird und meist den Lym­phs­tau ver­schlim­mert. Er­ken­nungs­zei­chen ist eine scharf be­grenz­te Rö­tung, die sich rings um den Ent­zün­dungs­herd aus­brei­tet. Druck auf die Wund­ro­se tut weh, oft kom­men Fie­ber, ein star­kes Krank­heits­ge­fühl und Schüt­tel­frost hinzu.

Wie erkennt man ein Lymphödem?

Es gibt ver­schie­de­ne Lym­phö­de­me, sie ent­wi­ckeln sich ver­schie­den schnell, man­che über Jahr­zehn­te und sie sind mit ähn­lich aus­se­hen­den Er­kran­kun­gen zu ver­wech­seln, z.B. dem Lipö­dem.

Mehr zum Lipö­dem

Für die The­ra­pie ist es sehr wich­tig, dass die rich­ti­ge Form des Lym­phö­dems dia­gnos­ti­ziert wird. Lei­der ist die Lym­pho­lo­gie ein Stief­kind der Me­di­zin, nur we­ni­ge Ärzte und The­ra­peu­ten ver­fü­gen hier über das not­wen­di­ge Spe­zi­al­wis­sen. Als Pa­ti­ent kön­nen Sie Ihren Bei­trag leis­ten, indem Sie sich über Ihr Er­kran­kungs­bild in­for­mie­ren. Bei er­folg­lo­ser The­ra­pie soll­ten Sie mit Ihrem Arzt spre­chen und um die Über­wei­sung an einen Spe­zia­lis­ten bit­ten.

Die Schwel­lung eines Lym­phö­dems ist an­fangs blass und weich. Ein Fin­ger­druck tut nicht weh, hin­ter­lässt aber eine Delle. Die be­trof­fe­nen Glied­ma­ßen füh­len sich schwer an und sind nicht mehr un­ein­ge­schränkt be­weg­lich. In fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­en wer­den die Schwel­lun­gen immer di­cker, das Ge­we­be in­fol­ge von Ab­la­ge­run­gen immer här­ter, die Be­weg­lich­keit ist deut­lich ein­ge­schränkt und die Pa­ti­en­ten be­kom­men Schmer­zen.

Am Bein be­ginnt ein Lym­phö­dem oft an den Zehen und am Vor­fuß. Als Test wird ver­sucht, die obere Haut der zwei­ten Zehe mit zwei Fin­gern an­zu­he­ben. Wenn das nicht mehr ge­lingt, weil das Ge­we­be prall ge­schwol­len ist, spricht man vom „Stem­mer’schen Zei­chen“. Es ist ein ty­pi­sches Zei­chen für ein Lym­phö­dem, je­doch: Auch wenn das Stem­mer’sche Zei­chen ne­ga­tiv ist, kann ein Lym­phö­dem vor­lie­gen.

Wie werden Lymphödeme behandelt?

Lym­phö­de­me sind meist nicht kom­plett heil­bar, häu­fig ist eine le­bens­lan­ge The­ra­pie not­wen­dig. Aber mit den rich­ti­gen The­ra­pie­bau­stei­nen und Ver­hal­tens­wei­sen las­sen sich die Pro­ble­me fast immer so weit re­du­zie­ren, dass Sie als Pa­ti­ent ein be­schwer­de­frei­es Leben füh­ren kön­nen. Nach­fol­gend die wich­tigs­ten Be­hand­lungs­an­sät­ze bei Lym­phö­de­men:

KPE: Komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die KPE (Kom­ple­xe Phy­si­ka­li­sche Ent­stau­ungs­the­ra­pie) ist die er­folg­reichs­te The­ra­pie bei vie­len Lym­phö­de­men. Das „K“ im Namen steht für „Kom­plex“ und zeigt an, dass die The­ra­pie aus meh­re­ren Bau­stei­nen be­steht.

Wich­tig ist: Die KPE muss mit allen ihren Tei­len kon­se­quent und lang­fris­tig um­ge­setzt wer­den. Dann haben Pa­ti­en­ten beste Chan­cen, be­schwer­de­frei zu wer­den. Wenn ein Teil ver­nach­läs­sigt wird, ver­lie­ren auch alle an­de­ren Teile er­heb­lich an Wir­kung.

Die KPE be­steht aus zwei Pha­sen:

  • Initialphase (Anschubphase, Entstauungsphase): In der Regel zwei bis drei Wochen lang, in schweren Fällen stationär, bei Bedarf jährlich wiederholt.
  • Erhaltungsphase: laufend. Die Häufigkeit der Therapietermine muss dem Bedarf angepasst werden.

Die KPE hat vier Bausteine:

MLD: Manuelle Lymphdrainage

Die MLD ist eine spe­zi­el­le Mas­sa­ge­tech­nik („ma­nu­ell“ = mit den Hän­den), wel­che das Lym­ph­sys­tem sti­mu­liert, mehr Lym­phe ab­zu­trans­por­tie­ren und damit das Lym­phö­dem zu re­du­zie­ren. Aus­ge­führt wird die MLD von spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten Mas­seu­ren oder Kran­ken­gym­nas­ten (Phy­sio­the­ra­peu­ten). Sie ar­bei­ten scho­nend und lang­sam mit krei­sen­den Be­we­gun­gen und be­stimm­ten Hand­grif­fen.

Kompression

Zur Kom­pres­si­on (= Druck) ge­hö­ren zwei Be­rei­che: der lym­pho­lo­gi­sche Kom­pres­si­ons­ver­band, auch Kom­pres­si­ons­ban­da­ge ge­nannt, und Kom­pres­si­ons­strümp­fe. Die Kom­pres­si­on dient dazu, die Er­fol­ge von Ent­stau­ungs­be­hand­lun­gen zu er­hal­ten, also einen Rück­fluss der Lym­phe zu ver­hin­dern.

Lymphologischer Kompressionsverband

Ein lym­pho­lo­gi­scher Kom­pres­si­ons­ver­band übt genau do­sier­ten Druck auf die Mus­keln aus und un­ter­stützt bei Be­we­gung den Ab­trans­port der Lym­phe. Kom­pres­si­ons­ver­bän­de wer­den be­son­ders in­ten­siv in Phase 1 ein­ge­setzt. Der Er­folg der Ban­da­gie­rung ist ganz we­sent­lich von Ihrer Mit­wir­kung als Pa­ti­ent ab­hän­gig: Wenn Sie sich kon­se­quent ban­da­gie­ren (las­sen) und dann be­we­gen, re­du­ziert sich das Lym­phö­dem.

MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf

Wenn die akute Schwel­lung zu­rück­ge­gan­gen ist, wird ein MKS (Me­di­zi­ni­scher Kom­pres­si­ons­strumpf) für Bein(e), Po/Hüf­ten und/oder Arm(e) ver­ord­net. Als Pa­ti­ent brau­chen Sie zwei Sätze, damit Sie wech­seln kön­nen. Spä­tes­tens alle sechs Mo­na­te soll­ten Sie neue Strümp­fe be­kom­men, damit die Strümp­fe genau pas­sen und nicht aus­lei­ern. Wir­kungs­vol­le Kom­pres­si­ons­strümp­fe müs­sen mög­lichst eng an­lie­gen und zu­sam­men­drü­cken wie eine zwei­te Haut.

Bewegungsübungen

Spe­zi­el­le Gym­nas­tik und Be­we­gung beim gleich­zei­ti­gen Tra­gen der ma­ßan­ge­fer­tig­ten Kom­pres­si­ons­strümp­fe för­dert den Ab­trans­port der Lym­phe und re­du­ziert das Ödem. Güns­tig sind „ru­hi­ge“ Sport­ar­ten wie Spa­zie­ren­ge­hen, Wan­dern (nicht Berg­stei­gen), Rad­fah­ren, Schwim­men. Ruck­ar­ti­ge Be­we­gun­gen, Ver­let­zungs­ri­si­ken und Über­an­stren­gung soll­ten Sie mei­den.

In Ruhe soll­ten Sie, so­weit es mög­lich ist, den Kör­per­teil mit dem Lym­phö­dem hoch­la­gern.

Hautpflege und -schutz

Wenn Sie ein Lym­phö­dem haben, ist es ganz wich­tig, dass Sie täg­lich Ihre Haut be­gut­ach­ten und sorg­fäl­tig pfle­gen. Schon klei­ne Risse oder Ver­let­zun­gen ber­gen ein gro­ßes In­fek­ti­ons­ri­si­ko, weil die Hei­lung in­fol­ge des Lym­phö­dems sehr lang­wie­rig sein kann, In­fek­tio­nen sich da­ge­gen leicht aus­brei­ten.

Ach­ten Sie ins­be­son­de­re auf Hände und Füße, gehen Sie drau­ßen nicht bar­fuß und tra­gen Sie Hand­schu­he, zum Bei­spiel bei Haus-, Gar­ten- und Hand­werks­ar­bei­ten. Füh­ren Sie die Fuß- und Fin­ger­na­gel­pfle­ge vor­sich­tig durch oder su­chen Sie eine Fu­ßpfle­ge auf.

Be­nut­zen Sie mög­lichst keine par­fü­mier­ten Wasch- und Pfle­ge­pro­duk­te, weil diese die Haut rei­zen kön­nen. Be­vor­zu­gen Sie ph-neu­tra­le Pro­duk­te. Wenn Sie Kom­pres­si­ons­ban­da­gen oder -strümp­fe tra­gen, ist die Feuch­tig­keits­pfle­ge für die Haut wich­tig.